EV Zug

EV-Zug-CEO Paolo Duca – Zurück bei der zweiten Liebe

Nicola Berger
Nicola Berger

Paolo Duca ist neuer CEO des EV Zug. Nun spricht er über den Abschied von seinem Herzensverein Ambrì-Piotta.

Paolo Duca ist CEO von EV Zug.
Paolo Duca ist CEO von EV Zug. - JustPictures.ch/Andrea Branca

Kurz vor dem Transferschluss 2002 landet Paolo Duca in Zug. Erst wenige Monate zuvor hatte er Ambrì in Richtung Zürich verlassen, wo er sein Wirtschaftsstudium absolvierte. Ein junger Nachwuchs-Nationalstürmer. Beweglich, weil er als Kind jahrelang im Kunstturnen war.

Aber er fand beim ZSC unter den Trainern Larry Huras und Pekka Rautakallio nie richtig zur Entfaltung. Er wurde temporär zu den GCK Lions geschickt – und dann nach Zug. Dort überzeugte er mit starken Playoffs auf Anhieb und fühlte sich rasch wohl. Bis heute schwärmt er vom Teamkitt, von Chris Tancill und Duri Camichel.

Es ist 19 Jahre her, seit Duca sich als Spieler aus Zug verabschiedet hat. Aber Mitte Juni frischte er seine Erinnerungen an den Standort eilig auf. Denn nachdem der EVZ-Verwaltungsrat die groteske, sinn- und stillose Entlassung des langjährigen CEO Patrick Lengwiler durchdrückte, tätigte der Präsident Hans-Peter Strebel nur einen Anruf: Er bietet Duca für ein Gespräch auf. Das genügt: Kurz darauf hat der 45-Jährige den Job.

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Rund um den EV Zug überrascht einen im Jahr 2026 wenig. - keystone

Es ist eine eigenartige Vorgehensweise für die Anstellung eines CEO – normalerweise gibt es Gegenkandidaten und ein Anforderungsprofil – aber rund um den EV Zug überrascht einen im Jahr 2026 wenig.

Auch nicht, dass die Organisation erst den Trainer, dann den neuen Sportchef und dann den CEO einstellte, obwohl jeder mit einem Funken Menschenverstand weiss, dass die Reihenfolge exakt umgekehrt sein müsste.

Zu viel Verantwortung und Arbeitseifer in Ambrì

Duca hat eigentlich keine Anstellung als CEO gesucht, aktiv beworben hatte er sich zuletzt für die Stelle des «Director National Teams» bei Swiss Ice Hockey, für die ihm aber aus politischen Gründen Patrick von Gunten vorgezogen wurde. Auf eine CEO-Position schielte er nicht. Gerade auch, weil er den Job in Ambrì ad interim immer wieder übernehmen musste.

Und er sah, wie weit man vom eigentlichen Geschehen weg ist. Duca liebt das Eishockey, den Geruch der Garderobe. Einer, der kürzlich mit ihm Golfen war, berichtet, dass Duca beim Frühstück stets schon alle NHL-Highlights geschaut habe und mit fast kindlicher Euphorie darüber sprach, wen er schon alles nach Ambrì zu holen versuchte.

Dort hatte er seinen Job als General Manager im Oktober niedergelegt, nachdem der Präsident Filippo Lombardi hinter seinem Rücken mit Christian Dubé verhandelt hatte. Ambrì ist seine grosse Liebe, keine Frage, aber die Verbundenheit entwickelte sich zur Bürde: Er fühlte sich für alles verantwortlich, konnte kaum abschalten, die Lebensqualität litt.

Paolo Duca.
Paolo Duca. - zVg

Duca ist dreifacher Vater und auch noch Gemeinderat für «Die Mitte» (Ex-CVP) in Ascona. Er sagt: «Wahrscheinlich war es auch für den Klub nicht gesund.»

Womöglich wird es Duca in Zug leichter fallen, die Probleme nicht nach Hause zu nehmen. Und Aufgaben zu delegieren. Die Organisationen lassen sich kaum vergleichen. Der EVZ hat um die 120 Vollzeit-Mitarbeiter.

Im Vergleich zu Ambrì ist alles grösser in Zug. Ausser die Schulden. Ambrì hat keinen Milliardär wie Dr. Hans-Peter Strebel. Aber den Umgang mit schwierigen Vorgesetzten hat Duca schon in Ambrì gelernt.

Auf die Frage, ob sich die Charaktere von Lombardi und Strebel vergleichen lassen, sagt er: «Es sind beides starke Persönlichkeiten, die sich sehr dafür interessieren, was in der sportlichen Abteilung läuft.»

Es heisst, in Zug habe es im 21. Jahrhundert kaum nennenswerte Erdbeben gegeben, bis auf jenes vom 11. Februar 2012 mit einer Stärke von 4,2 auf der Richterskala. Aber rund um den EVZ bebte die Erde im Sommer so kräftig, dass Duca noch immer mit den Aufräumarbeiten beschäftigt ist. Und das dürfte auch noch eine Weile so bleiben.

Findest du den Wechsel von Paolo Duca zum EV Zug überraschend?

Duca muss den Ausbau des Stadions («Oym Hall») moderieren, aufgrund dessen der Klub im Herbst zunächst acht Auswärtsspiele in Serie zu bestreiten hat. Er muss es schaffen, dass der Verein einen gangbaren Weg mit dem Athletikzentrum Oym findet – sein Vorgänger und auch der Sportchef Reto Kläy waren ja entlassen worden, weil sie es gewagt hatten, die kritischen Voten der ersten Mannschaft an den Verwaltungsrat weiterzuleiten.

Das Team hatte gehofft, in Wochen mit drei Partien (Dienstag/Freitag/Samstag) die Trainings im Stadion abhalten zu können, um Energie zu sparen. Aber Strebel hat weit über 100 Millionen Franken ins Oym gesteckt.

Eine Abkehr ist undenkbar, auch wenn a) sechs Jahre nach der Eröffnung noch immer nicht ganz klar ist, worin der Mehrwert für den Klub genau besteht und b) die Kosten für die Nutzung sehr hoch sind. Duca wird sein gesamtes, in der Politik erlerntes Fingerspitzengefühl dafür aufwenden müssen, dieses Minenfeld zu navigieren.

Beschäftigen wird ihn auch die Personalie des Sportchefs: Wenige Tage vor der Ernennung Ducas machte der EVZ den Amerikaner Ted Suihkonen zum General Manager. Den bisherigen Skills Coach, der kein Deutsch spricht.

Ted Suihkonen übernimmt die Aufgaben des General Managers beim EVZ.
Ted Suihkonen übernimmt die Aufgaben des General Managers beim EVZ. - EVZ Zug

Die Referenzen in der Branche sind nicht sonderlich vorteilhaft, durchs Band durch. Aber Duca sagt: «Jetzt gebt ihm doch erst mal ein bisschen Zeit. Er weiss verdammt viel über diesen Sport. Jeder muss mal irgendwie anfangen, bei mir war das nicht anders. Es gibt nun mal keine Sportchef-Schule.»

Und dann sind da nicht zuletzt die sportlichen Sorgen. Hinter dem EVZ liegen drei enttäuschende Jahre; vor allem die letzten zwei Spielzeiten endeten desillusionierend: eine 0:4-Ohrfeige im Viertelfinal gegen den HCD 2025, nur Platz 8 2026.

Das hohe Salär des Sommertransfers Vinzenz Rohrer

Es ist Ansichtssache, wie viel Grund zum Optimismus es vor der Saison 2026/27 gibt. Das Center-Problem ist ungelöst, auch nach der Verpflichtung von Vinzenz Rohrer, für den der EVZ tief in die Tasche griff. #

Rohrer, 21, unterschrieb einen Fünfjahresvertrag, der in der finalen Saison mit einem Salär von mehr als 700’000 Franken dotiert ist. Er ist ein talentierter Stürmer, keine Frage, aber in der abgelaufenen Saison sind ihm für den ZSC in 50 Partien 13 Skorerpunkte gelungen.

Paolo Duca

Geboren: 3. Juni 1981

Bei EV Zug seit: 2026

Klubs als Spieler: HC Ambrì-Piotta (NLA), EV Zug (NLA), GCK Lions (NLB), ZSC Lions (NLA), HC Ambrì-Piotta (div. Stufen), HC Ascona U15 (Mini B) Bisherige Klubs als Funktionär: EV Zug (NL), HC Ambrì-Piotta (NL), HCB Ticino Rockets (SL)

Das ist ziemlich genau die Ausbeute von Nando Eggenberger, der im EVZ keinen neuen Vertrag mehr erhalten hat. Es ist ein stolzer Lohn, den Rohrer erst einmal rechtfertigen muss.

Arbeit, Liebe und Perspektiven

Zurück zu Paolo Duca: Welche Erkenntnisse hat er aus den ersten Wochen in seinem neuen Job gewonnen? «Dass es viel zu tun gibt. Und dass die Menschen den Klub wirklich lieben. Er ist tief in dieser Region verankert, er bedeutet den Leuten etwas. Das ist ein gutes Zeichen.»

Und bei aller Schwarzmalerei stimmt Letzteres schon: Die Perspektiven in Zug sind unverändert bäumig. Es gibt eine herausragende Infrastruktur, sehr viel Geld und ein prächtig bestücktes Kader.

Wenn Duca es schafft, die irrlichternde Klubführung einigermassen zur Räson zu bringen, kann mit dem EVZ relativ zügig wieder gerechnet werden. Der Tessiner ist mit so viel Bauernschläue und Chuzpe gesegnet, dass ihm das Unterfangen zuzutrauen ist.

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